


{"id":631,"date":"2013-07-10T21:52:00","date_gmt":"2013-07-10T19:52:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.insense-scenes.net\/wordpress\/?p=631"},"modified":"2013-07-10T21:52:00","modified_gmt":"2013-07-10T19:52:00","slug":"einen-drauf-machen-mit-china-se-peter-avec-la-chine","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/juliechaumard.paris\/winsense\/article\/einen-drauf-machen-mit-china-se-peter-avec-la-chine\/","title":{"rendered":"Einen drauf machen mit China \/ Se p\u00e9ter avec la Chine"},"content":{"rendered":"<p><em> <strong>Le Gymnase du Lyc\u00e9e Mistral est un lieu tout \u00e0 fait bien adapt\u00e9 \u00e0 la pi\u00e8ce Ping Pang Qiu d&rsquo;Ang\u00e9lica Liddell, pr\u00e9sent\u00e9 dans le cadre du 67e Festival d&rsquo;Avignon. Au milieu de la sc\u00e8ne qui reste visiblement un gymnase sportif se trouve une table de ping-pong. Cet image m\u00e9lange la mise en sc\u00e8ne artificiel avec le monde r\u00e9el d\u00e9j\u00e0 avant que la pi\u00e8ce commence. Et pendant la pi\u00e8ce on sera en continuation rappel\u00e9 \u00e0 que ce que semble impossible, parce que inhumain, peut \u00eatre r\u00e9alit\u00e9. Liddell n&rsquo;est pas Snowden. Elle ne nous d\u00e9voile rien. Plut\u00f4t elle compose des faits connues, pas moins terrifiants, dans une forme de textes et images et cr\u00e9e ainsi une sorte de po\u00e9sie documentaire. Ceci rend exp\u00e9rimentable les faits communiqu\u00e9s dans des articles de presse. Un conte noir de la v\u00e9rit\u00e9. En plus de \u00e7a, et parce qu&rsquo;on est chez Ang\u00e9lica Liddell, il ne s&rsquo;agit pas du th\u00e9\u00e2tre politique mais d&rsquo;une d\u00e9claration d&rsquo;amour. <\/em><br \/>\n<em> \/\/ Das Gymnase du Lyc\u00e9e Mistral ist ein wahrlich passender Ort f\u00fcr Ang\u00e9lica Liddells Ping Pang Qiu. In der f\u00fcr das 67e Festival d&rsquo;Avignon zum Theaterraum umfunktionierten Turnhalle steht mitten auf der B\u00fchne eine Tischtennisplatte. Wo h\u00f6rt die Wirklichkeit auf und wo beginnt die Inszenierung, das Unechte? Angesichts der im St\u00fcck behandelten Thematik wird man in den kommenden eineinhalb Stunden immer wieder daran erinnert dass unm\u00f6glich (weil unmenschlich) Scheinendes wahr sein kann. Dabei handelt es sich nicht um politisches Theater sondern um eine Liebeserkl\u00e4rung.<\/h2>\n<p>An besagtem Ping-Pong Tisch sitzt also Ang\u00e9lica Liddell ihrem Kollegen Fabi\u00e1n Augusto G\u00f3mez Boh\u00f3rquez gegen\u00fcber und flink wie in einem meisterhaften Tischtennismatch fliegen ihr seine Fragen zu, die sie pr\u00e4zise beantwortet. Es gibt kein Ausruhen. Sobald die Darsteller ersch\u00f6pft den Kopf auf die Spielplatte legen schrecken sie auch schon wieder auf und das Spiel geht weiter, mit Disziplin und Ausdauer. Es geht freilich nur in Nebens\u00e4tzen um Ping-Pong. Eher geht es um die Ping-Pong diplomacy, den Begriff der eine Politik beschreibt die diplomatisches mit barbarischem vereinte um die chinesische Kulturrevolution stattfinden zu lassen. Und eigentlich geht es um Liebe. Liebe zu China. Jedenfalls ist es das, was Lidell mit ihrem St\u00fcck Ping Pang Qiu auf die B\u00fchne bringen will. Und an ihrer Liebe ist nichts zu r\u00fctteln beteuert sie. Auch wenn sich China zu lieben als sehr sehr schwierig herausstellt. Das erkl\u00e4rt uns Lidell und beweist es szenisch.<br \/>\nIm Verlaufe des Verh\u00f6rs am Ping-Pong Tisch sagt sie, und wiederholt bis zur Ersch\u00f6pfung, dass sie eine sei die sich der Welt des Ausdrucks widme. So definiert sie sich selbst und das Theater, ihren Arbeitsplatz. Was tun in einem Land das, ganz im Gegenteil zu Liddell, permanent gegen den Ausdruck und die \u00c4u\u00dferung des einzelnen arbeitet? Menschen die sich wie sie vollst\u00e4ndig und \u00f6ffentlich dieser Aufgabe verschrieben haben k\u00f6nnen dort nicht existieren. Sie erz\u00e4hlt uns damit nichts neues, wir wissen au\u00dferdem dass die Zensur nicht nur K\u00fcnstler betrifft sondern bis in den privatesten Raum greift. Was wir in Zeitungen lesen wird uns heute also dargestellt.<br \/>\nWir sehen jenes Video in voller L\u00e4nge, von dem meist nur ein Ausschnitt zu sehen ist: Einer stellt sich vor heranrollende Panzer und h\u00e4lt den Zug tats\u00e4chlich einstweilen auf. Auf der B\u00fchne werden seine Bewegungen gedoppelt, sie werden unerm\u00fcdlich weiter ausgef\u00fchrt noch nachdem im Video besagter Mann bereits von M\u00e4nnern in Zivil abgef\u00fchrt wurde. Die Choreographie auf der B\u00fchne aber geht weiter, rebelliert gegen eine leere Leinwand und h\u00e4lt nichts auf.<br \/>\nWiederholt nehmen Liddell und die drei Darsteller die sie auf der B\u00fchne begleiten jene Position ein mit welcher K\u00fcnstler, Intellektuelle, Lehrer, gemeine B\u00fcrger \u00f6ffentlich gedem\u00fctigt werden: vorn\u00fcber gebeugt, die Arme hinter dem R\u00fccken verschr\u00e4nkt und \u00fcber den Kopf nach oben gestreckt. Mit einem albernen Hut aus Papier auf dem geschrieben steht weshalb derjenige in Ungnade fiel.<br \/>\nLiddell ist nicht Snowden. Sie enth\u00fcllt uns nichts. Sie bringt vielmehr bekannte, aber nicht minder erschreckende Tatsachen in eine ihr eigene Form aus Texten und Bildern und schafft so eine Art dokumentarische Poesie, welche die Tatsachen erfahrbarer machen als Presseartikel. Ein Schauerm\u00e4rchen von die Wahrheit.<br \/>\nDabei scheinen die Bilder welche Liddell mit ihren Darstellern und Requisiten kreiert durch und durch symbolisch zu sein. Leseweisen dr\u00e4ngen sich teilweise geradezu auf. Eine Ballwurfmaschine f\u00fcr Ping-Pong-B\u00e4lle arbeitet monoton und ausdauernd, doch sie schie\u00dft ihre B\u00e4lle ins Leere. Einer der Darsteller, Sindo Puche, tr\u00e4gt ein Kost\u00fcm aus langhaarigem Fell (man kl\u00e4rt uns auf dass Mao \u201eHaar\u201c hei\u00dft), er ist mit Abstand der gr\u00f6\u00dfte der vier Darsteller und verbringt die meiste Zeit in scheinbar unbeteiligtem Schweigen, w\u00e4hrend der auff\u00e4llig kleine G\u00f3mez Boh\u00f3rquez sich in Parteiuniform mit langen Monologen und allerhand Aufgaben abm\u00fcht. Permanent ist die B\u00fchne in rotes Licht getaucht, alles was sich darauf befindet wird in rot getaucht, es gibt weder f\u00fcr Darsteller noch f\u00fcr Requisiten ein Entkommen vor der r\u00f6tlichen F\u00e4rbung. Selbst der Zuschauer gew\u00f6hnt sich an die Farbe des Lichts, Rot ist unausweichlich die Farbe der Gegenwart und man st\u00f6rt sich nach einer Weile der Gew\u00f6hnung nicht einmal mehr daran.<br \/>\nGleich zu Anfang stellt Liddell klar: politische Unterhaltungen zu f\u00fchren ist nicht das Ziel dieses Abends. Hierzulande ist nichts einfacher als politische Unterhaltungen zu f\u00fchren, deshalb mache das auch allen so viel Spa\u00df. Aber um Spa\u00df geht es hier kaum, und einfach sieht Liddell nichts.<br \/>\nOder doch, denn es sei \u201eNichts leichter als einen K\u00fcnstler zu verspotten\u201c wie sie sagt. Und dar\u00fcber ger\u00e4t sie ein weiteres mal in Rage. \u201eWir werden zu Clowns!\u201c zetert sie, und f\u00fcgt hinzu in China seien die Gef\u00e4ngnisse voller Clowns. Tats\u00e4chlich hat die Verzweiflung Liddells etwas Komisches. Wie sie aufspringt, wild gestikuliert und dabei ihre t\u00fcrkisfarbene Per\u00fccke sch\u00fcttelt, sich in ihrer im Nichts verhallenden Anklage und unter gro\u00dfer physischer Anstrengung wiederholt und wiederholt bis zur absoluten Ersch\u00f6pfung&#8230; keiner wird sie hier daf\u00fcr einsperren. Manch einer am\u00fcsiert sich gut. Manch anderem bleibt wohl auch das Lachen im Hals stecken. Denn wer sich auf die dokumentarische Ebene dieser Inszenierung einl\u00e4sst, wer die Gewissheit zul\u00e4sst dass all das was hier erz\u00e4hlt wird die Wahrheit ist, der verzweifelt mit Liddell. Vier spanische K\u00fcnstler und ein west-europ\u00e4sisches Publikum vor dem Problem China zu lieben \u2013 mich \u00fcberkommt bei diesem Gedanken pl\u00f6tzlich ein ungutes Gef\u00fchl der L\u00e4cherlichkeit. Was ist damit anzufangen. Scham \u00fcber die eigene privilegierte Position? Zorn \u00fcber das chinesische Unrecht? Damit allein ist freilich auch keinem geholfen. Was bleibt ist also Beklemmung.<br \/>\nIch liebe China. Der Haut wegen. Ich m\u00f6chte von China geliebt werden, gerade weil das unm\u00f6glich ist. Das sagt Lidell und es dr\u00e4ngt sich die Frage auf ob man gerade Zeuge einer theatralischen Selbstdarstellung ist, bei der China eine passive Position zugeschrieben wird an der sich ein leidende K\u00fcnstlerseele abarbeitet. Ist dies die Inszenierung der unm\u00f6glichen, der leidenschaftlich Liebe einer hemmungslos selbstzerst\u00f6rerischen Ang\u00e9lica Lidell? Ja, kein Zweifel. Vor allem nicht nachdem man die zweite Inszenierung gesehen hat, die Liddell dieses Jahr in Avignon pr\u00e4sentiert, Todo el cielo sobre la tierra (El s\u00edndrome de Wendy).Versteht sich Ang\u00e9lica Liddell zudem als Botschafterin eines Landes das seiner kulturellen und menschlichen Identit\u00e4t beraubt wurde und wird? Offensichtlich auch das. Und selbst wenn man sich am exzessiv autodestruktiven Narzismus st\u00f6ren mag, das Botschaften f\u00fcr China gelingt trotzdem oder gerade weil es die intime Liebeserkl\u00e4rung dieser Frau ist.<br \/>\nBlo\u00df der Poesie r\u00e4umt Liddell die F\u00e4higkeit Leid zu \u00fcberwinden ein. So soll an \u201eder einzig sch\u00f6nen Stelle dieses St\u00fccks\u201c wie sie sagt, eine chinesische Musikerin auf einem Stuhl im Scheinwerferlicht Platz nehmen und spielen, die Schauspieler and\u00e4chtig lauschend. Keine Erkl\u00e4rungen mehr und keine Verzweiflung. Nur noch ein Zitat aus einem in China verbotenen Buch, und dann Musik. \u201eLa libert\u00e9 ne se donne pas, elle est plut\u00f4t ta propre conscience de la vie, le d\u00e9lice de ta vie; go\u00fbte \u00e0 cette libert\u00e9, comme \u00e0 la jouissance que t&rsquo;apporte l&rsquo;amour physique avec une belle femme. N&rsquo;est-ce pas la m\u00eame chose?\u201c (Le Livre d&rsquo;un homme seul, Gao Xingjian, Nobelpreis f\u00fcr Literatur 2000). Also physische Liebe und Poesie als Stellvertreter der Freiheit. Was niedergeschrieben pathetisch klingen mag funktioniert an dieser Stelle des St\u00fccks und man ist bereit f\u00fcr ein wahres Bild der Hoffnung.<br \/>\nDoch der Stuhl bleibt leer. Aus Angst vor Konsequenzen die eine Mitarbeit im Kollektiv mit sich bringen k\u00f6nnte, welche einer kritischen Haltung zum eigenen Staat und somit im wahrsten Sinne des Wortes lebensgef\u00e4hrlich w\u00e4re, entschloss sich die Musikerin gegen einen Auftritt mit Liddell. Die Zensur reicht bis auf die Probeb\u00fchne in Madrid. Und heute ist sie zu Gast in Avignon. Wir werden des Bildes der Hoffnung beraubt.<br \/>\nOrpheus verliert seine Liebste, Eurydike, weil er nicht l\u00e4nger den Blick von ihr abwenden kann. Das Buch in dem diese Geschichte stand wurde zu Anfang des St\u00fccks zwar verbrannt, jetzt aber wird der Mythos wahr und schafft eine L\u00fccke da wo die chinesische Kollegin und ihre Musik sein sollten.<br \/>\nWas bleibt zu tun? Wenn das Theater als Arbeitsplatz Liddells Vision nicht wahr werden lassen konnte mit einer K\u00fcnstlerkollegin zu kollaborieren, so schafft es zumindest den Raum um eine Fiktion zu inszenieren. Um eine Idee f\u00fcr kurze Zeit, wenn nur auf symbolische Weise, wahr werden zu lassen und mit dem Publikum zu teilen. Und jetzt, nach all der Beklemmung, steht einem der Sinn nach einem Ventil. Es werden Instant-Nudeln mit Wasser aufgebr\u00fcht, man wartet f\u00fcr die Dauer eines Popsongs, und dann fliegen die Fetzen. Alle bedeutungsschweren Symbole und auch sonst alles wird durcheinander geworfen, Mao-Miniaturen mit Nudeln verziert, sch\u00e4big herumgeknutscht. Letzte Zigaretten werden geraucht. Nach wenigen Minuten befindet man sich auf der Afterparty eines rauschenden Fests. Der Schein tr\u00fcgt allerdings nicht, und die wirkliche L\u00fccke dort wo die Musikerin aus China sein sollte, bleibt bestehen obwohl ihr Stuhl schon Teil des Chaos ist. Wenigstens hat man hier einen drauf gemacht, stellvertretend f\u00fcr das Freiheitsgef\u00fchl, und stellvertretend f\u00fcr China. Die Beklemmung nimmt man trotzdem mit beim Verlassen der Turnhalle.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Le Gymnase du Lyc\u00e9e Mistral est un lieu tout \u00e0 fait bien adapt\u00e9 \u00e0 la pi\u00e8ce Ping Pang Qiu d&rsquo;Ang\u00e9lica Liddell, pr\u00e9sent\u00e9 dans le cadre du 67e Festival d&rsquo;Avignon. Au milieu de la sc\u00e8ne qui reste visiblement un gymnase sportif se trouve une table de ping-pong. Cet image m\u00e9lange la mise en sc\u00e8ne artificiel avec le monde r\u00e9el d\u00e9j\u00e0 avant que la pi\u00e8ce commence. 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